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Geschrieben von Michael Schmitz   
29.09.2005
Mit wie viel Kreativität - und Religiosität - sich junge Menschen einen Kirchraum aneignen können, beweist das Projekt Tabgha schon seit fast fünf Jahren. Foto: WAZ, Tom Thöne
Zu Ostern 2006 soll ein ökumenisches Netzwerk der Jugendkirchen in Deutschland stehen, dessen Vorbereitung das erste Symposium der Vertreter von rund 40 Jugendkirchen der beiden großen christlichen Konfessionen in Deutschland diente.
Drei Tage lang hatten Referenten in der Buschhausener Jugendkirche Tabgha die unterschiedlichen Facetten beleuchtet, hatte sich 200 Teilnehmer bis gestern in verschiedenen Workshops mit der praktischen Handhabung von Jugendkirchen auseinandergesetzt, von Themen wie "Botschaft und Inszenierung", "Jugendkirchen-Management", "Öffentlichkeitsarbeit" oder "jugendliche Spiritualität" bis zu "Mission".
Christian Scharnberg, Referent für jugendpastorale Bildung in der Düsseldorfer Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, sieht die Jugendkirche als die innovativste pastorale Form derzeit in der Katholischen Kirche. Rächen würde es sich, wenn sie nur aus der finanziellen Not der Kirchen geboren würden: "Jugendkirchen müssen auf einen Bedarf reagieren, der noch nicht abgedeckt ist."
Diese Einschätzung teilte auch Michael Freitag, Referent für Theologie und Jugendforschung der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland. Jugendkirchen dürften nicht dazu führen, dass die einzelnen Kirchen ihre Jugendarbeit aufgeben.
Vor dem Hintergrund, dass weniger Jugendarbeit der Kirchen auch weniger Kirchensteuereinnahmen bedeuten würden, wenn sich noch mehr junge Leute von der Kirche lossagen, könnte Freitag sich die Einrichtung eines Innovationsfonds für neue Formen von Kirche vorstellen: "Junge Leute werden vom Gemeindegottesdienst nicht mehr erreicht, wir müssen ihnen etwas anbieten, was ihren Lebenswelten entspricht."
Auch für Oliver Heck, Projektleiter von Tabgha und Mitveranstalter des Symposiums, wäre es zerstörerisch, nicht in junge Leute und Innovationen zu investieren. Auf anderen Ebenen hätte man dies begriffen, wie die Zusammensetzung des Fördervereines von Tabgha und das Sponsoring der Oberhausener Jugendkirche bewiesen: "Davon scheinen die Kirchenleitungen noch weit entfernt."
Einigkeit besteht bei den Vertretern der Organisatoren des Symposiums auch darüber, dass sich die Kirche aus dem ästhetischen Lebensraum junger Leute verabschiedet hat. Wenn ein junger Mensch zur traditionellen Kirche meine, "euch ignoriere ich nicht mal mehr", sei dies ein alarmierendes Signal. Wenn die Kirchen sich da nicht anböten, resümiert auch Willi Schönauer vom Internetportal der Jugendkirchen, würden sie bald nicht mehr vorkommen.
Immerhin wollen sich rund 20 Projekte an der in Oberhausen beschlossenen Initiative zur Gründung des ökumenischen Netzwerkes der insgesamt rund 80 deutschen Jugendkirchen beteiligen, die übrigens je zu einem Drittel katholisch, protestantische und den Protestanten zuzurechnende freikirchliche Einrichtungen sind.
27.09.2005    Von Michael Schmitz
Zeitungsverlagsgesellschaft E. Brost und J. Funke GmbH & Co




 
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